Das Frauen-KZ der Conti in Limmer

Im hannoverschen Stadtteil Limmer befand sich auf dem Gelände der Continental Gummiwerke von Juni 1944 bis Anfang April 1945 ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Interniert waren dort über 1000 Frauen, untergebracht in zwei Baracken. Es handelte sich größtenteils um französische und polnische Häftlinge, die als Résistance-Angehörige oder als Aufständische oder als Zivilistinnen aus Warschau nach dem Warschauer Aufstand im September 1944 von den Deutschen gefangen genommen worden waren, aber auch um Frauen aus Belgien, Luxemburg, der UdSSR und Spanien.

Neben der Zwangsarbeit im Continental-Werk und in den Brinker Eisenwerken unter unmenschlichen Bedingungen wurden sie auch zu Enttrümmerungsarbeiten im Stadtteil Linden-Limmer gezwungen. Dabei kam es auch zu Kontakten mit der hannoverschen Bevölkerung. Die Häftlinge in den gestreiften KZ-Anzügen waren nicht zu übersehen:

»Wir gingen irgendeine Hauptstraße entlang […] Es gingen sehr viele Menschen an uns vorbei. Das war für uns nicht besonders angenehm, weil nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder uns ›Banditen‹ nannten. Es gab noch die Jungen aus der Hitlerjugend, die uns beschimpften und bespuckten. Oft bekam eine Frau einen Stein ab oder Sand in die Augen.«
(Wanda J., zitiert nach: Janet Anschütz / Irmtraud Heike: »Man hörte auf, ein Mensch zu sein« – Überlebende aus den Frauenkonzentrationslagern in Langenhagen und Limmer berichten, Hamburg 2003)

Stéphanie Kuder, eine der französischen Gefangenen, berichtet von Widerstandshandlungen, um sich in dem unerträglichen Lageralltag als Mensch zu behaupten:

»Wir hatten beschlossen, unser Nationalfest offen durch eine Schweigeminute zu ehren. Am 14. Juli 1944 haben wir uns alle erhoben. Ein Aufstand ist im Werden! Schreie überall: ›Sitzen! Ruhe!‹ Die ersten Schläge fallen. Wir setzen uns, immer noch in absolutem Schweigen: Die Minute war vorbei.«
(Zitiert nach: Claus Füllberg-Stolberg: Frauen im Konzentrationslager: Langenhagen und Limmer, in: Rainer Fröbe u. a. (Hg.): Konzentrationslager in Hannover, Bd. 1, Hildesheim 1985)

Am 6. April wurde das Lager geräumt und die Häftlinge gezwungen, nach Bergen-Belsen zu marschieren. Wie viele auf diesem Todesmarsch und in den folgenden Tagen in Bergen-Belsen vor Entkräftung starben oder erschossen wurden, ist nicht mehr rekonstruierbar.

Das deutsche Lagerpersonal bestand aus einem SS-Lagerführer und SS-Aufseherinnen, die teilweise vor ihrer Umschulung zur KZ-Aufseherin als Arbeiterinnen für die Continental-Werke gearbeitet hatten. Von den meisten ist die weitere Biografie nach Kriegsende unbekannt. Die äußere Bewachung des Lagers oblag nach heutigem Wissenstand fünf SS-Männern..

Die Continental profitierte aber nicht nur von der Sklavenarbeit der KZ-Häftlinge. Auf dem Gelände neben dem Werk befand sich zuvor ein Lager für ausländische ZwangsarbeiterInnen, dessen Baracken bei einem Luftangriff 1943 größtenteils zerstört wurden. Zwei verbliebene Gebäude wurden später Teil des Frauen-KZs.

Ende 1944 waren rund 40 Prozent der Arbeitskräfte in Hannover ZwangsarbeiterInnen oder Häftlinge.

Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus versuchten ehemalige Häftlinge, die Erinnerung an die KZs wachzuhalten. Aber bereits in den 1950er-Jahren gerieten diese in Vergessenheit. Die Lager in Limmer verschwanden unter neuen Fabrikgebäuden der Conti.

Erst 1987 wurde auf Initiative einiger LimmeranerInnen eine Gedenktafel errichtet – am Rand des ehemaligen KZs und außerhalb des Firmengeländes der Continental. Diese wies jede Verantwortung von sich und verweigerte eine Gedenkstätte auf ihrem Gelände.

Weitere Informationen

Ausführliche Informationen zur Geschichte des KZ Limmer und zu den ZwangsarbeiterInnenlagern im Stadtteil finden Sie in unserer Broschüre »Einen Ort der Erinnerung schaffen – KZ und Zwangsarbeit in Hannover-Limmer 1944/45« (PDF, 44 Seiten DIN A5).